, Frei Michael

Interview mit Guido Solari / Entretien avec Guido Solari

Trotz unserer Unterschiede kochen wir alle mit demselben Wasser - Als Präsident der Schweizerischen Konferenz der Gemeindeschreiber für die Jahre 2024–2026 ist Guido Solari seit vier Jahren als Gemeindeschreiber der luzernischen Gemeinde Willisau tätig. Er spricht mit uns über seinen beruflichen Werdegang und teilt seine Sicht auf den Beruf. Malgré nos diversités, nous cuisinons tous avec la même eau - Président de la Conférence suisse des secrétaires municipaux pour les années 2024-2026, Guido Solari occupe la fonction de secrétaire municipal de la commune lucernoise de Willisau depuis quatre ans. Il nous parle de son parcours professionnel et nous livre sa vision du métier.

SKSG – Was sind deine Prioritäten als Präsident der SKSG?

Guido Solari - Bei der SKSG haben wir ein sehr gutes System mit dem wechselnden Präsidium. Man weiss bereits wenn man in den Vorstand gewählt wird, dass man im Laufe seiner Vorstands-Karriere einmal das Präsidium der Konferenz inne haben darf. Und man weiss auch zu Beginn der Präsidial-Zeit, dass diese in 2 Jahren wieder beendet ist und eine Kollegin oder ein Kollege die Führung übernimmt.  Für mich ist das wirklich ein Privileg, mit solch motivierten Kolleginnen und Kollegen die SKSG leiten zu dürfen. Wir sind ein Team von Fachpersonen, welche jede in ihrem Bereich absolut TOP ist. So können wir im gemeinsamen Austausch auch viel voneinander profitieren.

Meine Priorität ist es, dass unsere Vorstandssitzungen gut strukturiert sind und dass wir die anstehenden Fragen und Themen im gemeinsamen Konsens zusammen bearbeiten können. Der Austausch untereinander, aber auch mit unseren Mitgliedern, ist mir dabei sehr wichtig. Ebenfalls ist der Kontakt mit Partnerorganisationen in den Kantonen aber auch von anderen Fachverbänden auf nationaler Ebene sehr wichtig und bereichernd. Nur zusammen sind wir stark und können unseren Themen Gehör verschaffen.

Von den Projekten ist es so, dass wir an der GV 2025 in Le Locle neue Statuten für unsere Konferenz verabschieden konnten. Die neuen Statuten sind modern und geben uns den Rahmen für die weitere Tätigkeit. Ebenso steht bereits die Organisation der nächsten Fachtagung an, welche wir im Jahr 2026 durchführen möchten. Wir werden uns am 13. November 2026 an dieser Fachtagung mit dem Thema "künstliche Intelligenz" beschäftigen. Die Tagung findet in Bern statt.

Du arbeitest seit deiner Lehre als Kaufmann in Gemeindeverwaltungen. Was war die Motivation für diese Berufswahl?
Am Anfang der Berufskarriere stellt sich immer die Frage, was man und wo man die Lehre beginnen will. Mich hat die öffentliche Verwaltung wegen der Vielfältigkeit der Aufgaben immer besonders gereizt. Und als ich dann bereits sehr früh die Zusage für meine kaufmännische Lehre bei der Stadt Schlieren erhalten habe, waren die Weichen gestellt. Die Lehre mit dem Besuch von verschiedenen Abteilungen hat mich fasziniert und darum war es für mich klar, dass ich mich anschliessend auf dem Gebiet weiterbilden wollte. So konnte ich das Gemeindeschreiberdiplom VZGV (Verein Zürcher Gemeinde- und Verwaltungsfachleute) erwerben. Damals gab es eine Ausbildung, welche von diesem Verein angeboten wurde und das Diplom wurde vom Kanton Zürich anerkannt. Heute wird diese Ausbildung auf Fachhochschulniveau angeboten, wie dies auch in anderen Kantonen üblich ist.
Für mich nach wie vor faszinierend an unserem Beruf ist die Scharnierfunktion zwischen der Politik, der Einwohnerschaft und der Verwaltung. "Es allen recht zu machen ist eine Kunst, die niemand kann." Aber genau an dieser Kunst versuchen wir uns tagtäglich und wenn wir es schaffen, alle oder mindestens die meisten Anspruchsgruppen zufrieden zu stellen, haben wir einen guten Job gemacht.

Die Gestaltung des Lebensraums "Gemeinde" ist eine absolut tolle Aufgabe und ich freue mich, wenn es uns gelingt, zusammen mit unseren politischen Organen, diesen Lebensraum für die Einwohnerinnen und Einwohner besser zu gestalten.

Du hattest Stellen in drei Zürcher und zwei Luzerner Gemeinden inne. Welches sind die wichtigsten Unterschiede in der Funktionsweise dieser beiden Kantone, insbesondere im Hinblick auf die Gemeindeautonomie?
Eine wichtige Erkenntnis nach meinen Kantonswechsel war, dass wir alle in der Schweiz mit dem gleichen Wasser kochen. D.h. dass zwar die einzelnen Gesetze von Kanton zu Kanton unterschiedlich sind, die Grundstruktur aber gleich ist. Schwierig war es, wenn für ungleiche Sachverhalte die gleichen Begriffe verwendet werden. Dies ist mir vor allem im Bereich des Baurechts aufgefallen. Der Kanton Luzern lässt seinen Gemeinden mehr Freiheiten. So musste z.B. im Kanton Zürich jede Anpassung an der Gemeindeordnung vom Kanton bewilligt werden. Weiter ist im Kanton Luzern die Anbindung an das Privatrecht prägnanter. Dies ist sicher auch dem Umstand geschuldet, dass im Kanton Luzern die Gemeindeschreiberinnen und –schreiber die Möglichkeit haben, sich zu Notaren weiterzubilden und alsdann sämtliche Beurkundungen des Privatrechts ausführen dürfen. Aber alles in allem sind die Aufgaben und Funktionen in etwa gleich.

Im Jahr 2021, im Alter von 54 Jahren, wechselst du nach 14 Jahren von der Stadt Kriens (30'000 Einwohner) in die Gemeinde Willisau (9'100 Einwohner). Warum entscheidest du dich für eine kleinere Gemeinde, um deine Karriere zu beenden? Was sind die Hauptunterschiede zwischen den beiden Stellen?
Bei den Gesamterneuerungswahlen in Kriens im Jahr 2020 kam es zu einer fast unvorstellbaren Rochade. Alle 5 bisherigen Mitglieder der Exekutive wurden abgewählt oder traten von sich aus zurück. Dieses Erlebnis hat mich in meinen Wunsch bestärkt, am Ende meiner beruflichen Laufbahn nochmals einen Neuanfang in einer kleineren Gemeinde zu wagen, wobei Willisau für Luzerner Verhältnisse nicht zu den kleinen Gemeinden zählt und auch über ein Stadtrecht verfügt.

In Willisau habe ich nochmals die Möglichkeit erhalten, viele Geschäfte von Anfang an mitzuprägen. Man kann sein generalistisches Wissen nochmals benutzen und ist weniger auf Management-Aufgaben fokussiert. Man ist sehr nah an der Einwohnerschaft und kann auf viele Aspekte unmittelbar Einfluss nehmen. Das ganze Umfeld ist, sicher als Folge dass kein Parlament besteht, viel weniger politisch. Es geht immer um die Sache und nicht um politische Befindlichkeiten. Mit rund 50 Mitarbeitenden in der Kernverwaltung ist der Betrieb zudem auch überschaubarer. Entscheidungswege sind kürzer und man findet schneller auch einmal pragmatische Lösungen.

Du hast auch die Funktion eines Notars inne. Ist das speziell für die Gemeinde Willisau und worin besteht diese Aufgabe?
Im Kanton Luzern können nur Rechtsanwälte und Gemeindeschreiber die amtliche Funktion als Notar ausüben. Dabei müssen sowohl die Rechtsanwälte wie auch die Gemeindeschreiber eine Prüfung ablegen, damit sie das Notariatspatent erhalten. Da die Prüfung sehr anspruchsvoll ist und die Tätigkeit als Notar im Nebenberuf erfolgt, d.h. am Feierabend und am Wochenende stattfindet, können sich leider nur noch sehr wenige meiner jüngeren Berufskolleginnen und –kollegen für diese Tätigkeit entscheiden. Wie bereits ausgeführt, hat das Privatrecht im Luzerner Rechtssystem einen prägenden Einfluss. Mit dem Zusatzstudium für das Notariatspatent und der Ausübung dieser Tätigkeit ist man näher am Puls des Geschehens und kann Problemstellungen vielfach aus der Sicht des Privatrechts anschauen und beurteilen. Für mich hat diese Ausbildung und Tätigkeit klare Vorteile für meine tägliche Arbeit gebracht.

Als Notar bin Urkundsperson im Kanton Luzern und kann sämtliche Geschäfte begleiten, für welche eine öffentliche Beurkundung notwendig ist. Primär sind dies Sachenrechtsgeschäfte (Kaufverträge für Grundstücke, Grundpfandrechtsverträge) aber auch sehr viele Beratungen im Ehe- und Erbrecht (Eheverträge, Erbverträge, letztwillige Verfügungen). Nicht so häufig sind Geschäfte des Gesellschaftsrechts (Gründung GmbH, AG, Kapitalerhöhungen usw.).



Bezüglich der Gemeinde Willisau
Anzahl der Angestellten/FTE
In der Kernverwaltung sind ca. 50 Personen tätig. Zusammen mit den Heimen, Sportzentrum und Werkdiensten arbeiten ca. 200 Personen für die Stadt Willisau

Beschäftigungsgrad der Mitglieder des Stadtrats
Das Führungsmodell in Willisau ist das sogenannte Delegiertenmodell. Dies bedeutet, dass der Stadtamann als Delegierter des Stadtrates die operative Verantwortung für die gesamte Stadtverwaltung hat. Er arbeitet in einem 100 %-Pensum und ist mein direkter Vorgesetzter. Der Stadtpräsident leitet das Gremium und führt die Gemeindeversammlungen. Er besitzt ein 50 %-Pensum. Die drei weiteren Mitglieder haben die Funktion von Besitzern mit je 35 %. Es gibt keine Ressorts, aber jedes der 3 Mitglieder hat Verantwortlichkeitsbereiche, wo diese auch noch in Kommissionen Einsitz haben.
 
 
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CSSM Quelles sont tes priorités en tant que président de la CSSM?

Guido Solari - À la CSSM, nous avons un excellent système avec la présidence tournante. On sait dès qu’on est élu au comité qu’on aura l’occasion, au cours de sa carrière au sein du comité, d’assumer un jour la présidence de la conférence. Et on sait également dès le début de la période de présidence que celle-ci se terminera après deux ans et qu’une autre personne du comité prendra le relais. Pour moi, c’est vraiment un privilège de pouvoir diriger la CSSM avec des collègues aussi motivés. Nous formons une équipe de spécialistes, chacune et chacun excellant dans son domaine. Cela nous permet de tirer énormément parti de nos échanges.

Ma priorité est que nos réunions de comité soient bien structurées et que nous puissions traiter ensemble, en trouvant un consensus, les questions et sujets à l’ordre du jour. Les échanges entre nous, mais aussi avec nos membres, sont très importants pour moi. De même, le contact avec les organisations partenaires dans les cantons et avec d’autres associations professionnelles au niveau national est très important et enrichissant. Ce n’est qu’ensemble que nous sommes forts et pouvons faire entendre nos préoccupations.

Du côté des projets, nous avons pu adopter, lors de l’AG 2025 au Locle, de nouveaux statuts pour notre conférence. Ces nouveaux statuts sont modernes et nous donnent le cadre pour la poursuite de nos activités. Par ailleurs, l’organisation de la prochaine journée technique est déjà en préparation, que nous souhaitons organiser en 2026. Lors de cette journée, le 13 novembre 2026, nous traiterons du thème « intelligence artificielle ». La journée aura lieu à Berne.
 
Tu travailles dans les administrations communales depuis ton apprentissage de commerce. Qu’est-ce qui t’a motivé à choisir cette carrière ?
Au début d’une carrière professionnelle, on se pose toujours la question de ce qu’on veut faire et où l’on souhaite commencer son apprentissage. Ce qui m’a toujours particulièrement attiré dans l’administration publique, c’est la diversité des tâches. Et quand j’ai reçu très tôt une réponse positive pour mon apprentissage commercial auprès de la ville de Schlieren (ZH), ma voie était tracée. L’apprentissage, avec la découverte de différents secteurs, m’a fasciné, et c’est pourquoi il m’a semblé évident de continuer à me former dans ce domaine. J’ai ainsi pu obtenir le diplôme de secrétaire communal de la VZGV (Association zurichoise des spécialistes des communes et de l’administration). À l’époque, il existait une formation proposée par cette association et le diplôme était reconnu par le canton de Zurich. Aujourd’hui, cette formation est dispensée au niveau des hautes écoles spécialisées, comme c’est le cas dans d’autres cantons.

Ce qui me fascine encore aujourd’hui dans notre métier, c’est son rôle d’intermédiaire entre la politique, les habitants et l’administration. "Faire plaisir à tout le monde est un art que personne ne maîtrise." Mais c’est précisément cet art que nous essayons de pratiquer chaque jour. Et si nous parvenons à satisfaire tout le monde ou, au moins, la plupart des parties prenantes, nous avons accompli un bon travail.

Façonner l’espace de vie qu’est une commune est une mission absolument passionnante, et je suis heureux chaque fois que nous réussissons, avec nos organes politiques, à améliorer cet espace pour les habitants.

Tu as occupé des postes dans trois communes zurichoises et deux communes lucernoises. Quelles sont les principales différences dans le fonctionnement des deux cantons, notamment en termes d’autonomie communale ?
Une leçon importante que j’ai tirée après mon changement de canton est que, en Suisse, nous "cuisinons tous avec la même eau". Cela signifie que, même si les lois varient d’un canton à l’autre, la structure de base reste la même. Ce qui a été difficile, c’est de constater que des termes identiques sont parfois utilisés pour des situations différentes. Cela m’a particulièrement frappé dans le domaine du droit de la construction.

Le canton de Lucerne accorde plus de libertés à ses communes. Par exemple, dans le canton de Zurich, toute modification du règlement communal devait être approuvée par le canton. De plus, dans le canton de Lucerne, l’intégration au droit privé est plus marquée. Cela s’explique certainement par le fait que, dans ce canton, les secrétaires communaux ont la possibilité de se former pour devenir notaires et, par conséquent, peuvent effectuer toutes les authentifications liées au droit privé. Mais, tout bien considéré, les tâches et fonctions sont à peu près les mêmes.

En 2021, à 54 ans, tu passes de la ville de Kriens (30 000 habitants) à la commune de Willisau (9 100 habitants). Pourquoi avoir choisi une commune plus petite pour terminer ta carrière ? Quels sont les principaux changements entre ces deux postes ?
Lors des élections générales à Kriens en 2020, il y a eu un remaniement presque inimaginable. Les cinq membres sortants de l’exécutif ont tous été écartés ou ont choisi de se retirer. Cet événement a renforcé mon souhait, à la fin de ma carrière professionnelle, de relever un nouveau défi dans une commune plus petite, même si Willisau, selon les standards lucernois, ne compte pas parmi les petites communes et bénéficie même du statut de ville.

À Willisau, j’ai eu l’opportunité de m’investir à nouveau dès le début dans de nombreux dossiers. Cela m’a permis de réutiliser mes connaissances généralistes tout en me concentrant moins sur des tâches de management. On est beaucoup plus proche des habitants et on peut exercer une influence directe sur de nombreux aspects. L’ensemble de l’environnement, sans doute en raison de l’absence de parlement, est nettement moins politisé. On se concentre toujours sur les enjeux et non sur des considérations politiques. Avec environ 50 collaborateurs dans l’administration centrale, l’organisation est également plus gérable. Les processus de décision sont plus courts et l’on trouve plus rapidement des solutions pragmatiques.

Tu as également la fonction de notaire. En quoi cela consiste-t-il et est-ce spécifique à Willisau ?
Dans le canton de Lucerne, seuls les avocats et les secrétaires communaux peuvent exercer la fonction officielle de notaire. Pour cela, ils doivent passer un examen afin d’obtenir le brevet de notariat. Cet examen étant très exigeant et l’activité de notaire se pratiquant en parallèle d’un emploi principal – c’est-à-dire le soir et le week-end – rares sont malheureusement mes jeunes collègues qui choisissent de s’engager dans cette voie. Comme mentionné précédemment, le droit privé joue un rôle prépondérant dans le système juridique lucernois. Grâce à l’étude complémentaire pour obtenir le brevet de notariat et à l’exercice de cette activité exigeante, on est plus proche des réalités et peut souvent analyser et évaluer les problématiques sous l’angle du droit privé. Cette formation et cette activité m’ont apporté des avantages clairs dans mon travail quotidien.

En tant que notaire, je suis officier public dans le canton de Lucerne et peux accompagner toutes les affaires nécessitant un acte authentique. Cela concerne principalement les transactions liées au droit des biens (contrats de vente immobilière, contrats de droits de gage immobilier), mais aussi de nombreuses consultations en matière de droit matrimonial et successoral (contrats de mariage, pactes successoraux, testaments). Les affaires liées au droit des sociétés (création de SARL, SA, augmentations de capital, etc.) sont moins fréquentes.


Concernant   la commune de Willisau
Nombre   d'employés / ETP
Environ   50 personnes travaillent dans l'administration centrale. En ajoutant les   établissements tels que les foyers pour personnes âgées, le centre sportif et   les services techniques, environ 200 personnes sont employées par la ville de   Willisau.
 
Taux   d'activité des membres de la Municipalité
Le   modèle de gestion à Willisau est celui dit du modèle délégué. Cela signifie   que l'Amman (chef de l'administration communale), en tant que délégué du Conseil   municipal, assume la responsabilité opérationnelle de l'ensemble de   l'administration de la ville. Il travaille à un taux d'activité de 100 % et   il est mon supérieur direct. Le président de la ville préside le conseil et   dirige les assemblées communales. Son taux d'activité est de 50 %. Les trois   autres membres du Conseil municipal occupent une fonction d'associés avec un   taux d'activité de 35 % chacun. Il n’y a pas de répartition par département,   mais chacun des trois membres a des domaines de responsabilité, dans lesquels   ils participent également à diverses commissions.